Nach unserem Aufenthalt im Yachtclub Scheveningen in Den Haag ging es entlang der niederländischen Küste weiter Richtung IJmuiden. Die Bedingungen auf See waren deutlich angenehmer als an den Tagen zuvor, auch wenn uns eine lange Dünung begleitete, die das Schiff stetig auf und ab rollen ließ. Der Wind nahm im Laufe des Tages kontinuierlich ab – von anfänglich etwa 15 Knoten bis auf nur noch 5 Knoten gegen Abend.

Die Crew merkte die Anstrengungen der vergangenen Tage. Nach und nach verschwanden einige unter Deck, um ein wenig Schlaf nachzuholen. Schiffshund Baldur hingegen genoss die ruhige Fahrt auf seine ganz eigene Weise: Er machte es sich bequem und verschlief den größten Teil des Tages.
In den Abendstunden erreichten wir schließlich IJmuiden. Dort wurden wir von ausgesprochen hilfsbereiten Boaties empfangen, die uns beim Anlegen tatkräftig unterstützten. Nach dem Festmachen war die Stimmung an Bord eine Mischung aus Müdigkeit und Vorfreude. Der kommende Tag versprach ein besonderes Abenteuer: die Durchquerung von Amsterdam mit der Betty.
Ganz ohne Herausforderungen ging der Tag allerdings nicht zu Ende. Die Wasserversorgung an Bord machte Probleme. Irgendetwas funktionierte nicht wie vorgesehen, und es war kein Wasserdruck mehr vorhanden. Die Fehlersuche musste jedoch bis zum nächsten Morgen warten.
Durch die größte Schleusenanlage der Welt
Am nächsten Tag stand zunächst die Passage durch die größte Schleusenanlage der Welt auf dem Programm. Trotz der beeindruckenden Dimensionen verlief alles reibungslos. Die Schleusenpassage funktionierte hervorragend und schon bald befanden wir uns auf dem Weg Richtung Amsterdam.

Unterwegs bekamen wir Unterstützung von Job von VAAN Yachts, der sich unseres Wasserproblems annahm. Die Ursache war überraschend simpel: Ein Filter war aus unerklärlichen Gründen vollständig verstopft. Nach kurzer Arbeit war das Problem behoben, der Wasserdruck wieder da und die Betty bereit für die Weiterfahrt.
Je näher wir Amsterdam kamen, desto dichter wurde der Verkehr auf dem Wasser. Besonders die Fähren sorgten für Aufmerksamkeit. Mit beeindruckender Geschwindigkeit kreuzten sie unseren Kurs und schienen dabei wenig Rücksicht auf kleinere Verkehrsteilnehmer zu nehmen.
Die Zahl der Wasserfahrzeuge nahm stetig zu. Mitten in Amsterdam fanden wir uns plötzlich umgeben von Fähren, Fahrgastschiffen, Schleppern, Tankern und unzähligen weiteren Booten. Es war ein faszinierendes, aber auch forderndes Schauspiel. Ständig war irgendwo Bewegung, überall kreuzten Fahrzeuge ihren Weg.
Doch alles ging gut. Die Betty meisterte die Passage souverän, und wir konnten die Stadt auf einem Weg erleben, den nur wenige Besucher kennenlernen. Was für ein Erlebnis!
Warten auf die Brücke
Am Ende des Tages stand noch eine weitere Schleuse an. Auch diese Passage verlief problemlos. Dahinter wartete jedoch die nächste Herausforderung: eine Brücke, die für uns zu niedrig war.
Leider erreichten wir sie wenige Minuten zu spät. Zwischen 16 und 18 Uhr wird sie wegen des Straßenverkehrs nicht geöffnet. Also hieß es warten.
Die ungeplante Pause hatte aber auch ihre guten Seiten. Während wir auf die Öffnung warteten, lernten wir einen jungen Segler kennen, der uns wertvolle Tipps für das IJsselmeer und die weitere Reise geben konnte. So wurde die Wartezeit zumindest sinnvoll genutzt.
Nach gefühlten Ewigkeiten war es schließlich soweit: Die Brücke öffnete sich und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen.
Unser Tagesziel war Durgerdam, ein kleines, beschauliches Dorf direkt am Markermeer. Dort erhielten wir einen wunderbaren Liegeplatz für die Nacht. Nach zwei ereignisreichen Tagen konnten wir endlich durchatmen, den Abend genießen und auf die kommenden Etappen unserer Reise blicken.
Die Betty hatte uns sicher von der Nordseeküste bis durch das Herz von Amsterdam gebracht – und das nächste Abenteuer wartete bereits am Horizont.
Zur Feier dieses ereignisreichen Tages gönnten wir uns schließlich noch eine besondere Belohnung. Über einen Lieferservice bestellten wir uns eine Portion Rippchen, die nach all den Erlebnissen, Manövern und Wartezeiten besonders gut schmeckten. Gemeinsam ließen wir den Abend an Bord ausklingen, genossen das Essen und blickten auf zwei außergewöhnliche Tage zurück. Müde, zufrieden und voller Vorfreude auf die kommenden Etappen unserer Reise fielen wir schließlich in die Kojen.




































Hinterlasse einen Kommentar