Endlich wieder unterwegs – Kurs Dänemark

Donnerstag.

Endlich heißt es wieder:

Leinen los!

Nach sechs wetterbedingten Hafentagen in Kiel kribbelt es allen in den Fingern. Schon früh am Morgen herrscht Betrieb an Bord. Die letzten Leinen werden verstaut, Wetter und Route noch einmal geprüft und dann gleitet Betty langsam aus dem Hafen von Kiel-Stickenhörn.

Vor uns liegt eine lange Etappe.

Vor uns liegt ein neues Land.

Dänemark.

Unser Ziel heißt Nysted auf der Insel Lolland.

Der Autopilot bekommt zunächst einen klaren Auftrag:

Kurs West-Nordwest.

Durch den Fehmarnbelt

Zunächst führt unser Weg aus dem Kieler Fijor und Kieler Bucht durch den Fehmarnbelt, die Meerenge zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland.

Schon von weitem ist zu erkennen, dass hier gewaltig gearbeitet wird.

Der Fehmarnbelt ist derzeit eine der größten Baustellen Europas. Hier entsteht der Fehmarnbelt-Tunnel, der Deutschland und Dänemark künftig mit einem rund 18 Kilometer langen Absenktunnel für Autos und Eisenbahnen verbinden wird. Nach seiner Fertigstellung wird er der längste kombinierte Straßen- und Eisenbahntunnel seiner Art weltweit sein. Für den Schiffsverkehr bedeutet das allerdings: Baustellen, Sperrgebiete und genau festgelegte Fahrwege.

Auch wir werden per Funk angesprochen und erhalten genaue Anweisungen, welchen Bereich wir passieren dürfen und welchen wir weiträumig umfahren müssen.

Alles läuft ruhig und professionell.

Wenig später haben wir die Großbaustelle hinter uns gelassen.

Mitten durch den Windpark

Kaum ist der Tunnelbau passiert, tauchen am Horizont die nächsten Giganten auf.

Diesmal keine Frachter.

Windräder.

Und zwar unzählige.

Vor uns erstreckt sich ein riesiger Offshore-Windpark.

Während solche Anlagen in Deutschland meist großräumig gesperrt sind, gelten in Dänemark andere Regeln. Dort dürfen Sportboote viele Windparks auf den ausgewiesenen Fahrwegen durchqueren.

Ein durchaus beeindruckendes Erlebnis.

Zwischen den gewaltigen Windkraftanlagen hindurch wirkt Betty plötzlich ziemlich klein.

Der direkte Weg

Natürlich könnte man außen herum fahren.

Das wäre einfacher.

Aber auch deutlich länger.

Also entscheiden wir uns für den direkten Weg quer durch das Fahrgebiet.

Die Abkürzung spart einige Seemeilen – und am Ende lohnt sie sich.

Willkommen in Dänemark

Am Nachmittag erreichen wir schließlich Nysted.

Die Hafeneinfahrt verlangt noch einmal volle Konzentration.

Gerade einmal rund 15 Meter breit ist die Durchfahrt zwischen den Begrenzungstonnen wobei es eher Tönnchen sind – klein und nicht leicht zu sehen.

Bei einem Boot, das selbst gut sieben Meter breit ist, bleibt gefühlt nicht mehr allzu viel Platz.

Langsam tasten wir uns hinein.

Drinnen wartet unser reservierter Liegeplatz bereits direkt an der Mole – mit Blick auf die Promenade.

Schon nach wenigen Minuten steht fest:

Nysted ist genau so, wie man sich ein dänisches Küstenstädtchen vorstellt.

Liebevoll restaurierte Häuser.

Gepflegte Gärten.

Saubere Straßen.

Eine entspannte Atmosphäre.

Alles wirkt ordentlich, freundlich und irgendwie entschleunigt.

Natürlich lässt sich der Kapitän die Frage nicht ersparen:

„Warum habt ihr eigentlich sechs Tage in Kiel gesessen, wenn es hier doch so schön ist?“

Die Antwort ist einfach.

Das Wetter.

Aber ich ahne bereits, dass wir diese Frage auf unserer Reise noch öfter hören werden.


Gemütlich nach Møn

Am nächsten Morgen dürfen wir tatsächlich etwas länger schlafen.

Keine Abfahrt um fünf Uhr.

Diesmal reicht es vollkommen, wenn der Wecker um 6:30 Uhr klingelt.

Um 7:30 Uhr legen Yvonne und ich entspannt ab.

Unser nächstes Ziel heißt Klintholm Havn auf der dänischen Insel Møn.

Møn gehört zu den landschaftlich schönsten Inseln Dänemarks. Weltberühmt sind vor allem die weißen Kreidefelsen Møns Klint, die sich bis zu 120 Meter über der Ostsee erheben und zu den beeindruckendsten Naturdenkmälern Skandinaviens zählen. Zwar liegen sie einige Kilometer von unserem Hafen entfernt, doch allein zu wissen, dass wir nun an einer der schönsten Küsten Dänemarks unterwegs sind, macht die Etappe besonders.

Am Morgen begleitet uns noch ein angenehmer Wind zwischen sieben und zehn Knoten.

Doch schon im Laufe des Vormittags verabschiedet er sich.

Und zwar vollständig.

Der Wind legt sich schlafen.

Und er hat offensichtlich nicht vor, heute noch einmal aufzuwachen.

Also übernimmt unser „Elektrowind“ – so nennen wir inzwischen augenzwinkernd unsere Elektromotoren.

Sie schieben Betty zuverlässig über das spiegelglatte Wasser.

Nach gut acht Stunden erreichen wir am Nachmittag Klintholm Havn.

Auch dieser Ort ist klein, gemütlich und lebt ganz vom Hafen.

Mehrere Restaurants und Kneipen säumen die Kaianlagen, dazu Ferienhäuser, Fischerboote und zahlreiche Fahrtensegler.

Schon bei der Einfahrt wartet der Hafenmeister an der Mole.

Mit freundlichem Winken weist er uns unseren Liegeplatz zu.

Genau so herzlich haben wir die Dänen bisher kennengelernt.

Die Hafengebühr beträgt 250 Dänische Kronen – umgerechnet knapp 35 Euro.

Darin enthalten sind bereits Strom, Wasser, Duschen und die sanitären Anlagen.

Eine zusätzliche Tourismusabgabe gibt es nicht.

So unkompliziert darf es gerne überall sein.

Nachdem wir den kleinen Ort erkundet und das erste dänische Bier genossen haben, kehren wir wieder zu Betty zurück.

Heute übernimmt der Kapitän die Kombüse.

Auf dem Speiseplan steht:

Chili con Carne.

Ob es schmeckt?

Das wird die Crew nach dem ersten Löffel entscheiden…

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