Pünktlch wie die deutsche Bahn

Von Kiel zurück in den NOK – neue Crew an Bord

Die Zeit vergeht auf Betty irgendwie schneller als an Land.

Am Mittwoch heißt es für uns Abschied nehmen: Roswitha und Henry verlassen uns und machen sich auf den Weg zurück nach Österreich.

An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an euch beide!

Zwei Monate habt ihr Betty begleitet – mit Tipps, Tricks, hilfreichen Anregungen, guter Laune und natürlich auch mit jeder Menge Unterstützung an Bord. Zwei Monate, in denen viel passiert ist und die sicher bei uns allen in Erinnerung bleiben werden.

Jetzt wird die Crew wieder kleiner.

Aber nicht für lange.

Landgang rund um Kiel

Die Tage in Kiel nutzen wir natürlich auch, um die Gegend rund um die Förde etwas genauer kennenzulernen.

Unter anderem besuchen wir ein Eselparadies und eine Straußenfarm. Zwei Ziele, die auf einer klassischen Städtereise vermutlich nicht unbedingt ganz oben auf der Liste stehen – uns aber gerade deshalb gefallen.

An einem anderen Tag geht es nach Lübeck.

Die Stadt begeistert nicht nur durch ihre beeindruckende historische Altstadt, sondern vor allem durch ihre Geschichte. Bei einer Stadtführung erfahren wir viele interessante Details über die ehemalige Hansestadt. Lübeck war über Jahrhunderte eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas und Zentrum des mittelalterlichen Handelsverbundes der Hanse.

Eine anschließende Boots­rundfahrt zeigt uns die Stadt noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive.

Wasser gehört hier einfach dazu.

Auch Husum steht auf unserem Programm.

Auf dem Weg dorthin legen wir noch einen Zwischenstopp bei einer Schinkenräucherei ein – schließlich muss man regionale Spezialitäten auch entsprechend würdigen.

In Husum erkunden wir den Hafen und besuchen das Theodor-Storm-Haus. Der Dichter Theodor Storm wurde 1817 in Husum geboren und verbrachte hier einen großen Teil seines Lebens. Besonders interessant ist das erhaltene Wohnhaus, das einen sehr persönlichen Einblick in das Leben und Wirken des Schriftstellers gibt.

Danach geht es weiter ins Weihnachtshaus.

Ein etwas ungewöhnliches Museum, aber ausgesprochen interessant. Hier dreht sich alles um die Geschichte der Weihnachtskultur und die Entwicklung von Weihnachtsdekorationen.

Bevor wir Husum wieder verlassen, darf natürlich ein Besuch am alten Hafen nicht fehlen.

Und da wir schließlich mit einem Boot unterwegs sind, führt uns unser Weg fast zwangsläufig zu Fisch und Räucherware.

Frischer Lachs und einige andere Spezialitäten wandern in unsere Einkaufstaschen.

Proviant für die nächste Etappe – und deutlich besser als irgendein Supermarktangebot.

Neue Crew für die Rückfahrt

Am Dienstag heißt es dann:

Betty klar machen!

Denn am nächsten Tag erwarten wir unser neues Crewmitglied.

Dirk Schweinsberg, ein Freund und Kollege aus alten Grazer Zeiten, soll zu uns stoßen und die Rückfahrt nach Hellevoetsluis begleiten.

Angekündigte Ankunft:

Mittwoch, 11:40 Uhr.

Und tatsächlich:

Die Deutsche Bahn hält ihr Versprechen.

Dirk kommt.

Nur eben nicht um 11:40 Uhr.

Sondern gegen 13 Uhr.

Also gut – ein bisschen Verspätung darf offenbar auch bei einer Anreise zur Segelyacht dazugehören.

Kaum ist Dirk an Bord, wird nicht lange gefackelt.

Leinen los!

Zurück durch die Kieler Schleuse

Unser Ziel ist zunächst wieder der Nord-Ostsee-Kanal.

Wir melden uns per Funk bei der Schleuse in Kiel-Holtenau an und warten vor der Einfahrt.

Und warten.

Und warten.

Währenddessen ziehen wir geduldig unsere Kreise vor der Schleuse.

Nach ungefähr einer Stunde kommt dann langsam der Verdacht auf, dass uns möglicherweise jemand vergessen hat.

Also fragen wir noch einmal über Funk nach.

Und siehe da:

Plötzlich geht alles ganz schnell.

Wir bekommen die Freigabe und dürfen direkt in die Schleusenkammer einfahren.

Hurra – wir sind wieder im NOK!

Der Nord-Ostsee-Kanal bringt uns erneut quer durch Schleswig-Holstein und erspart uns den deutlich längeren Weg rund um die dänische Halbinsel Jütland.

Unser heutiges Ziel ist Rendsburg.

Etappe Kiel bis Rensburg 22,1nm

Bis dorthin wollen wir noch ein gutes Stück fahren. Gegen 17 Uhr nehmen wir bereits Kontakt mit dem Regatta-Hafen Rendsburg auf und reservieren uns einen Liegeplatz.

Nach den vergangenen Wochen mit Wind, Wellen, Stürmen und technischen Überraschungen fühlt sich die Fahrt durch den ruhigen Kanal beinahe wie eine gemütliche Flussfahrt an.

Doch auch hier bleiben wir aufmerksam.

Schließlich teilen wir uns den Kanal mit großen Frachtern und anderen Berufsschiffen.

Lachs statt Tiefkühlkost

Die hohen Temperaturen machen sich inzwischen allerdings auch an Bord bemerkbar.

Unser Tiefkühlschrank scheint mit der Hitze nicht mehr ganz so glücklich zu sein.

Also beschließen wir, gar nicht erst lange zu überlegen, was wir mit den frischen Lebensmitteln machen.

Was schnell gegessen werden kann, muss nicht gekühlt werden.

Der Lachs aus Husum kommt auf den Tisch.

Dazu gibt es Zucchini.

Ein herrliches Abendessen nach einem langen Tag auf dem Wasser.

Und so endet Dirks erster Tag auf Betty gleich mit einem ordentlichen Bordmenü.

Die Rückfahrt hat begonnen.

Noch einmal durch den NOK – zurück zur Elbe

Donnerstag – heute darf ausgeschlafen werden

Denn für heute steht eigentlich nur der restliche Nord-Ostsee-Kanal auf dem Programm.

Noch rund 70 Kilometer liegen vor uns.

Warum eigentlich Kilometer und nicht Seemeilen?

Der Nord-Ostsee-Kanal ist eine künstliche Wasserstraße und wird – anders als die offene Schifffahrt – üblicherweise in Kilometern vermessen und angegeben. Der Kanal ist insgesamt rund 98 Kilometer lang und verbindet die Elbe bei Brunsbüttel mit der Kieler Förde bei Kiel.

Etappe Rensburg nach Brunsbüttl 36,2nm unter Motor mit Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,7kn

Für uns bedeutet das:

Noch einmal gemütlich durch Schleswig-Holstein.

Gegen 9 Uhr lösen wir die Leinen.

Die Motoren summen vor sich hin und Betty gleitet mit ruhiger Fahrt durch den Kanal.

Immer wieder begegnen uns die Giganten der Berufsschifffahrt.

Große Containerfrachter, Tanker und andere Frachtschiffe ziehen an uns vorbei. Im Kanal gilt dabei besondere Aufmerksamkeit, denn die großen Schiffe haben durch ihre Größe und ihren Tiefgang deutlich weniger Möglichkeiten auszuweichen als wir mit Betty.

Und dann erleben wir die andere Variante.

Wir werden überholt.

Das ist ein ziemlich eigenartiges Gefühl.

Wenn ein Schiff an einem vorbeizieht, das ungefähr die Höhe eines zehnstöckigen Hauses erreicht, schaut man plötzlich nicht mehr nach oben auf einen Mast – sondern auf eine gewaltige Stahlwand.

Da wird einem wieder bewusst, wie klein Betty im Vergleich zur Berufsschifffahrt eigentlich ist.

Zum Glück kennen wir den Ablauf inzwischen.

Kurs halten, Abstand bewahren und den Giganten passieren lassen.

Brunsbüttel – letzte Schleuse voraus

Am späten Nachmittag nähern wir uns schließlich Brunsbüttel und damit dem westlichen Ende des Nord-Ostsee-Kanals.

Wir entscheiden uns erneut für den kleinen Übernachtungshafen direkt vor der Schleuse.

Das hat einen einfachen Grund:

Wir wollen am nächsten Morgen möglichst früh durch die Schleuse und anschließend mit der Ebbe bzw. dem ablaufenden Wasser der Elbe hinaus auf die Nordsee.

Die Elbe ist ein Tidefluss. Das bedeutet, dass sich der Wasserstand durch Ebbe und Flut regelmäßig verändert. Bei Flut strömt Wasser aus der Nordsee flussaufwärts, bei Ebbe läuft es wieder seewärts.

Für uns ist die ablaufende Tide besonders interessant.

Wenn wir nach der Schleusung in die Elbe fahren, kann die Strömung uns auf dem Weg Richtung Nordsee unterstützen.

Man könnte also sagen:

Wir lassen uns morgen einfach von der Elbe aus dem Kanal hinausspülen.

Zumindest ist das der Plan.

Und Pläne sind auf einer Segelreise bekanntlich dazu da, gelegentlich von Wind, Wetter oder anderen Überraschungen verändert zu werden.

Für den Abend heißt es deshalb:

Leinen fest.

Alles für den frühen Start vorbereiten.

Und möglichst früh schlafen.

Denn morgen wartet nach dem NOK wieder die offene See auf uns.

Unser Ziel?

Eine der deutschen Inseln im Wattenmeer.

Welche es letztendlich wird, entscheidet – wie so oft – das Wetter und die Gezeiten.

Mal sehen, wohin uns Betty morgen trägt.

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