Nun ist es tatsächlich soweit.
Die letzte Etappe der Betty für die Saison 2026 steht an.
Gestern mussten wir unseren Versuch, von IJmuiden nach Scheveningen zu kommen, wegen zu viel Wind und Welle abbrechen. Heute soll es deshalb gleich der große Schlag werden:
Von IJmuiden direkt nach Hellevoetsluis.

Ein gutes Stück Strecke liegt vor uns. Also heißt es natürlich:
früh aufstehen.
Tagwache zwischen fünf und sechs
Die Tagwache – also der Zeitpunkt, an dem die Mannschaft ihren Dienst antritt – liegt diesmal irgendwo zwischen fünf und sechs Uhr.
Es wird langsam hell.
Die Sonne ist gemeinsam mit Baldur bereits unterwegs und wir machen Betty startklar. Dirk holt noch die Leiter ein, die wir für den Landgang verwendet haben, und nach und nach verschwindet alles, was nicht mehr gebraucht wird.
Leinen los.
Die letzte große Ausfahrt der Saison beginnt.
Und diesmal meint es der Wind deutlich besser mit uns als am Vortag.
Keine 35 Knoten mehr direkt auf die Nase, keine steilen Wellen, die uns permanent durchschütteln.
Im Gegenteil:
Wind und Welle kommen diesmal eher mit uns.
Allerdings wäre es natürlich zu schön gewesen, wenn die Nordsee uns einfach so hätte fahren lassen.
Mehrmals am Tag ziehen kräftige Regenschauer über uns hinweg.
Drei-, vielleicht viermal erwischt es uns.
Aber inzwischen sind wir vorbereitet.
Regenzeug an, Kapuze auf und weiter.
Unser Ölzeug – so nennt man auf See die wasserdichte Schutzkleidung für schlechtes Wetter – hält dicht. Früher war das Ölzeug aus Leinen mit Leinöl getränkt.
Und so stehen wir am Steuer, während Betty Meile um Meile Richtung Zeeland zurücklegt.
Warum eigentlich eine Schleuse?
Unser Ziel ist Hellevoetsluis.
Der Ort liegt auf der niederländischen Insel Voorne-Putten und damit innerhalb des durch Dämme und Schleusen geschützten Gewässersystems von Zeeland.
Um dorthin zu gelangen, müssen wir wieder durch eine Schleuse.
Für einen Segler bedeutet das immer ein kleines Stück besondere Aufmerksamkeit: Wasserstand, Verkehrsablauf, Schleusentor und natürlich der richtige Zeitpunkt müssen zusammenpassen.
Doch bevor wir dort ankommen, wartet noch ein ganz anderer Höhepunkt auf uns.
Wieder durch die Straße von Rotterdam
Wir müssen erneut den Bereich vor Rotterdam queren.
Und diesmal ist ordentlich Betrieb.
Schiffe kommen uns entgegen, andere laufen in Richtung Rotterdam.
Fähren und Berufsschifffahrt teilen sich das Wasser.
Eine Fähre zischt mit ungefähr 35 Knoten hinter uns vorbei.
Hinter uns kommen gleich zwei Tanker.
Da wird aus dem entspannten Segeltörn plötzlich ein ziemlich konzentriertes Verkehrsmanagement.
Wir behalten den Verkehr im Auge, beobachten die Schiffe und deren Kurs und lassen uns von dem ganzen Gewusel nicht aus der Ruhe bringen.
Betty besteht die Prüfung mit Bravour.
Und irgendwann liegt der Verkehr hinter uns.
Der direkte Weg ist keine gute Idee
Als wir schließlich um die niederländische Küste herum sind, könnten wir eigentlich direkt auf die Schleuseneinfahrt zuhalten.
Eigentlich.
Denn die direkte Linie ist auf der Seekarte keine besonders gute Idee.
Hier gibt es jede Menge Untiefen und Sandbänke.
Eine Untiefe ist ein Bereich, in dem das Wasser deutlich flacher ist als in der Umgebung. Für einen Tiefgang von 1,35 Metern, wie ihn Betty hat, sind solche Stellen durchaus ernst zu nehmen.
Auf der Nordsee kommt noch etwas hinzu:
Die Tide.
Bei Niedrigwasser liegen manche Sandbänke teilweise trocken.
Und genau dort treffen wir auf alte Bekannte.
Unsere Freunde vom Wattenmeer:
Seehunde.
Auf den trockenfallenden Sandflächen sammeln sie sich und genießen offenbar das, was für uns Segler eine anspruchsvolle Navigation ist:
Ruhe.
Wir können die Tiere sogar durch das Fensterglas beobachten.
Ein ziemlich schöner Moment auf der letzten Etappe.
Die letzte Schleuse
Der Weg zur Schleuse gestaltet sich diesmal deutlich angenehmer als bei unserer ersten Fahrt.
Damals kamen wir auf dem Weg von der Schleuse hinaus direkt in die Nordsee und mussten gegen Wind und Wellen ankämpfen. Betty bekam damals ihre erste richtige Salzwassertaufe – und wir gleichzeitig einen ziemlich deutlichen Eindruck davon, was die Nordsee so alles kann.
Heute ist es wesentlich entspannter.
Betty läuft gut.
Wind und Welle spielen mit.
Wir machen ordentlich Fahrt.
Und langsam kommt unser Ziel näher.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich die Schleuse.
Nur eines fehlt noch:
Das grüne Signal.
Wir müssen wieder ungefähr eine halbe Stunde warten, bis die Straße angehoben wird und wir passieren können.
Auch das gehört inzwischen irgendwie zu unserer Reise dazu.
Noch einmal Schleuse.
Noch einmal warten.
Noch einmal Leinen.
Und dann ist es geschafft.
18 Uhr – Leinen fest
Gegen 18 Uhr laufen wir schließlich in Hellevoetsluis ein.
Leinen fest.
Und mit diesem Satz endet nicht nur ein Segeltag.































Es endet unsere Reise 2026.
Betty liegt wieder sicher in der Werft.
Alles ist fest, alles ist verstaut und das Schiff ist bereit für die kommende Pause.
Wir dagegen sind es noch nicht ganz.
Nach den letzten Seemeilen gibt es zunächst das, was an Bord nach einer langen Reise besonders gut schmeckt:
eine ausgiebige Dusche.
Danach geht es zum Abschlussessen ins Gasthaus Herren aan de Vesting.
Ein letztes gemeinsames Abendessen.
Wir lassen die Reise Revue passieren, reden über die vielen Erlebnisse, die gelungenen Etappen, die Wetterkapriolen, die technischen Überraschungen und natürlich über Betty.
Die letzte Nacht an Bord
Die letzte Nacht verbringen wir noch einmal auf Betty.
Am Samstag heißt es dann Abschied nehmen von Dirk – zumindest vorübergehend.
Wir fahren nach Essen, wo Dirk wohnt, bringen ihn nach Hause und machen uns anschließend wieder auf den Weg zurück zu Betty.
Gegen späten Abend sind wir wieder da.
Und nun beginnt der Teil einer Reise, den man als Leser meistens nicht zu sehen bekommt.
Aufräumen.
Packen.
Sortieren.
Was brauchen wir an Bord?
Was haben wir völlig umsonst mitgeschleppt?
Was muss repariert, verbessert oder ersetzt werden?
Welche Erfahrungen nehmen wir mit?
Welche Dinge müssen für die kommende Saison anders organisiert werden?
Wir machen Notizen.
Viele Notizen.
Denn eine Reise endet nicht wirklich mit dem Festmachen der Leinen.
Eine Reise ist auch die Vorbereitung auf die nächste.
2026 ist vorbei – 2027 wartet schon
Wenn wir zurückblicken, ist es schon erstaunlich, was in dieser Saison alles passiert ist.
Wir haben Betty übernommen, sind mit ihr auf große Fahrt gegangen, haben neue Gewässer kennengelernt, Schleusen passiert, Gezeiten berechnet, Wind und Wellen erlebt – manchmal etwas mehr, als uns lieb war – und dabei unzählige Eindrücke gesammelt.
Es gab fantastische Segeltage.
Es gab Tage, an denen die Motoren wichtiger waren als die Segel.
Es gab technische Herausforderungen.
Und es gab Momente, in denen wir einfach nur auf dem Meer standen und dachten:
Dafür sind wir hier.
Nun geht Betty in die Winterpause und in der Werft werden einige Arbeiten durchgeführt wo wir hoffen dass alles klappt.
Aber natürlich bedeutet das nicht, dass auf sy-betty.com nichts mehr passiert.
Im Gegenteil.
Während der Nichtsegelzeit wird die Homepage weiter wachsen.
Wir werden noch viele Bilder ergänzen, Bildbände zusammenstellen und natürlich steht auch die Vorstellung von Dirk noch aus.
Es lohnt sich also durchaus, auch im Winter immer wieder einmal vorbeizuschauen.
Und wenn es größere Neuigkeiten gibt, werden wir euch natürlich wieder über WhatsApp informieren.
Danke an euch!
Zum Schluss bleibt uns vor allem eines:
Danke.
Danke an alle, die uns auf unserer Reise begleitet haben.
An diejenigen, die regelmäßig unsere Berichte gelesen haben.
An diejenigen, die Kommentare hinterlassen, Fragen gestellt, mit uns diskutiert oder einfach still mitgelesen haben.
Es hat uns unglaublich gefreut zu sehen, dass unsere Erlebnisse nicht nur auf Betty stattgefunden haben, sondern offenbar auch ein kleines Stück bei euch angekommen sind.
Wir hoffen, dass wir euch mitgenommen haben.
Auf die Nordsee.
In die Schleusen.
Durch Regen und Sonnenschein.
Über ruhige See und manchmal ziemlich unruhiges Wasser.
Und natürlich durch die vielen kleinen und großen Abenteuer, die eine solche Reise mit sich bringt.
Für 2026 heißt es nun:
Leinen fest.
Motoren aus.
Segel runter.
Betty macht Pause.
Aber die nächste Reise kommt bestimmt.
Und wir freuen uns jetzt schon auf 2027.
Natürlich werden wir wieder berichten.
Bis dahin wünschen wir euch eine schöne Zeit – und vielleicht schaut ihr ja ab und zu vorbei.
Denn wer weiß …
Vielleicht gibt es ja doch etwas Neues auf sy-betty.com zu entdecken.
Fair Winds und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!
Eure Crew der SY Betty
Eric, Yvonne & Baldur
Hinterlasse einen Kommentar